Farbmanagement


Farbmanagement – ein Agnostizismus? Als Fotograf oder Bildbearbeiter drückt man sich gut und gerne vor dem scheinbaren Mysterium des Farbmanagements. Man weiß, dass Farbmanagement existiert, aber nicht, wie es funktioniert – so wie schwarze Löcher. Ein kleiner, (hoffentlich) verständlicher Einstieg für Enthusiasten.

Wer kennt das nicht? Man bearbeitet ein Bild zu Hause auf dem Monitor, speichert es ab, postet es bei Facebook und auf einmal sind die Farben völlig anders. Schaut man sich das Bild dann noch auf dem Handy an, oder druckt es sogar aus, verzweifelt man und findet sich auf einmal weinend in der Ecke wieder. Das muss nicht so sein, meint DomQuichotte.

Problemstellung – und Lösung

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Warum sind die Farben unterschiedlich? Schaut man sich ein Bild auf einem Monitor, Display oder Fernseher an, so werden alle Farben aus drei farbigen Lichtern generiert: Rot, Grün und Blau. Rot und Grün z. B. ergeben Gelb, Blau und Rot ergeben Magenta, und alle drei Lichter zusammen ergeben Weiß. Abhängig von der Intensität jeder der drei Lichtfarben lassen sich fast beliebig viele Farben kombinieren. So weit so gut. Theoretisch müsste also auf all diesen Geräten ein Farbwert, der aus 100% Rot und 100% Grün besteht, dasselbe Gelb darstellen. In der Praxis ist das aber nicht der Fall. Warum? Die Problematik liegt in den Grundfarben. Denn wer garantiert, dass die Grundfarbe Rot auf dem Monitor, dem Rot des Handys oder Fernsehers entspricht? Niemand! Das kann man auch nicht garantieren, da Hardware nie identisch gebaut ist, und außerdem durch äußere Einflüsse, wie z.B. Temperaturschwankungen, beeinflusst wird.

Aus diesem Grund versucht man die Geräte so weit wie möglich auf einen Nenner zu bringen. Dafür nutzt man Kalibrierungsgeräte, die wissen, wie die entsprechenden Grundfarben auszusehen haben, und die jeweiligen Geräte auf diese Werte abstimmen. Damit müssten doch eigentlich alle Probleme gelöst sein? Leider nein. Zum einen lassen sich bei weitem nicht alle Geräte kalibrieren! Zum anderen haben die Geräte unterschiedliche technische Spezifikationen. Ein Beamer z. B. kann der Helligkeit und Sättigung eines modernen Fernsehers nicht das Wasser reichen. Auch das Schwarz des Beamers ist im Vergleich zum Schwarz des Fernsehers eher ein dunkles, blasses Grau. Jetzt könnte man natürlich versuchen die schönen Kontraste und Farben des Fernsehers auf die matten Farben des Beamers anzupassen, aber das würde seinen Zweck verfehlen.

Deshalb hat man sich auf bestimmten Versionen geeinigt. All diese Versionen sind abhängig von der „Leistung“ der Grundfarben und werden als Farbräume bezeichnet. Die Farbräume definieren das Farbspektrum, das ein Gerät abbilden kann. Den kleinsten gemeinsamen (und genormten) Nenner bildet dabei der „sRGB“-Farbraum, gefolgt von „Adobe RGB“ und „ProPhoto RGB“. Natürlich gibt es viele weitere Farbräume, das hier sind aber die populärsten, an denen Geräte auch gemessen werden.

Demnach müssten alle Bilder im sRGB Farbraum theoretisch auf allen Monitoren und Displays gleich aussehen. Theoretisch schon, vorausgesetzt die Geräte sind kalibriert. In der Praxis sieht es aber so aus, dass nur wenige Gerät überhaupt in der Lage sind den sRGB-Farbraum abzubilden. Ein iPhone, selbst ein MacBook Pro können den sRGB-Farbraum nicht abbilden! Warum? Weil das eine Kostenfrage ist. Und das bringt uns zu einer wichtigen Erkenntnis: Farbmanagement ist nicht billig. Deshalb wird der ein oder andere Leser an dieser Stelle aufhören. Aber das ist kein Grund sich mit dem Thema nicht zu beschäftigen! Selbst wenn man kein teures Equipment zu Hause oder im Büro hat, sollte man wissen, warum die Bilder auf unterschiedlichen Geräten unterschiedlich aussehen, und was man dagegen tun kann!

Warum ist es überhaupt wichtig, dass die Farben korrekt dargestellt werden?

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Nun, den meisten Bildbearbeitern ist es tatsächlich egal! Das kann wohl auch der Tatsache geschuldet werden, dass viele gar nicht erst wissen, dass ihre Bilder auf andern Geräten anders aussehen. Und das Zeitalter des Bilderdruckens hat seinen Höhepunkt schon längst erreicht. Aber ist es nicht ärgerlich, wenn man stundenlang an einem Bild arbeitet, in langwierigen Prozessen den perfekten Bildlook ermittelt, nur um dann festzustellen, dass das Bild auf Facebook nun doch zu gelb, zu blass oder zu stark gesättigt aussieht? Professionelle Fotografen, Bildbearbeiter oder Designer können sich so etwas nicht leisten. Firmen wie die Telekom lassen sich sogar „ihre“ Farbe rechtlich schützen. Dass Kleidung über das Internet bestellt wird, ist selbstverständlich. Die im Browser abgebildeten Kleider helfen uns einen Eindruck zu gewinnen, auch über die Farbe. Ausgehend davon, dass man einen roten Pullover bestellt hat, wäre die Lieferung eines pinken Pullovers inakzeptabel. Könnte man sich auf die Farben des Onlineshops nicht verlassen, würde man doch lieber direkt in den Laden gehen. Außer bei Abercrombie & Fitch; da ist es so dunkel, dass man die Farbe auch im Laden nicht erkennt. Aber das sind nur einige der Gründe für die Wichtigkeit der korrekten Farbdarstellung.

Zum Farbmanagement gehören sowohl Hardware als auch der sichere Umgang mit Software.

Der richtige Monitor

EIZO

Natürlich ist ein Monitor, der einen größeren Farbraum abbilden kann, teurer. Nicht selten liegt der Preis bei über 2.000 EUR. Dafür können diese Geräte aber auch nahezu den gesamten Adobe RGB Farbraum abbilden. Nicht unbedingt billig, aber deutlich günstiger ist der neue Monitor von EIZO. Der CS270 ist mit seinen 27″ nicht nur groß, er kann 99% des Adobe RGB Farbraums abdecken und kostet dabei „nur“ um die 1.000 EUR. Und das alles in gewohnter EIZO Qualität. Ich habe mir das Gerät mal zuschicken lassen und es ordentlich durchgenommen 😉 Hätte ich nicht bereits das Wacom Cintiq 27HDQ, ich hätte ihn behalten! Nur zur Info: ich werde von EIZO weder gesponsert noch bezahlt, aber der Monitor hat’s wirklich in sich; dafür sprechen auch die ausschließlich mit 5-Sternen bewerteten Amazon-Rezensionen.

Monitorkalibrierung

spyder

Hat man einen guten Monitor, muss man diesen auch kalibrieren. Und zwar mit Hardware – alles andere wäre Geldverschwendung! Ein Kalibrierungsgerät wird auf einem Monitor befestigt. Eine entsprechende Software zeigt während des Kalibrierungvorgangs unterschiedliche Farben auf dem Monitor, die das Gerät scannt, analysiert und dann anpasst. Ich persönlich nutze den Spyder 4 ELITE von Datacolor und bin damit recht zufrieden. Mittlerweile gibt es aber schon den Nachfolger Spyder 5 ELITE oder die Alternative von Xrite, den i1Display Pro. Wenn ich on Tour  bin, wir jeden Tag an einer anderen Location sind und die Monitore über Nacht starken Temperaturschwankungen aussetzen, kalibriere ich den Monitor jeden Morgen aufs Neue! Zu Hause, wo sich nicht viel verändert, allerdings nur einmal pro Monat. Außerdem sollte der Monitor so positioniert werden, dass kein direktes Licht auftrifft – schon gar nicht Sonnenlicht. Nicht selten ist mir die Situation begegnet, dass ein hochwertiger Monitor dem hellsten Sonnenschein ausgeliefert ist. Da nützt selbst einen Sonnenschutzblende nichts! Mal ganz davon abgesehen, dass das einfallende Sonnenlicht die Farbtemperatur im Laufe des Tages ändert, würden mich die Reflektion in den Wahnsinn treiben. Das ist genauso wie die Leute, die sich über die Datenschutzbestimmungen einiger Firmen beschweren, aber zu Hause keine einzige Festplatte verschlüsselt haben! Also: am besten in einen dunklen Raum sperren und alle Lichter ausmachen 🙂

Kamerakalibrierung

ColorChecker

Was bringt aber ein kalibrierter Monitor, wenn die Bilder, die man bearbeiten möchte, bereits verfälscht sind? Solange man nicht auf die Originalfarben angewiesen ist, ist das kein Problem. Dann kann man sich die Farben so (zurecht-)bearbeiten, bis sie auf dem kalibrierten Monitor gut aussehen. Will man allerdings gewährleisten, dass die Farben so nah wie Möglich an das Original kommen – und das ist im Fashionbereich meistens der Fall – dann sollte man die Kamera kalibrieren. Und damit meinen ich nicht einen einfachen Weißabgleich! Für eine Kamerakalibrierung eigenen sich Farbkarten. Sobald ein Set ausgeleuchtet wurde, wird die Farbkarte abfotografiert und im Anschluss in einem Programm wie Lightroom (kostenloses Plugin erforderlich) analysiert, und ein individuelles Kameraprofil automatisch erstellt. Ich persönlich nutze den ColorChecker Classic von Xrite. Außerdem gibt es noch den ColorChecker Passport, der sehr viel kleiner ist, und ein paar weitere Funktionen hat. Die Classic-Variante eignet sich aufgrund ihrer Größe für Ganzkörperaufnahmen besser, während der Passport für Portraits perfekt ist.

Software: sRGB, Adobe RGB oder ProPhoto RGB?

Profiles

Programme wie Adobe Photoshop oder Lightroom können mit vielen Farbräume umgehen; auch wenn der Monitor den gewählten Farbraum gar nicht darstellen kann. So können CMYK-Bilder angesehen werden, obwohl sie offensichtlich auf einem Monitor (und nicht einem Blatt Papier) dargestellt werde. Dafür sorgen Umrechnungstabellen, die sogenannten ICC-Profile. Doch die Frage ist: in welchem Farbraum bearbeite ich nun mein Bild? In sRGB, Adobe RGB oder ProPhoto RGB? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Wenn ich einen Monitor haben, der keinen Adobe RGB-Farbraum darstellen kann, wäre die logische Schlussfolgerung, dass man das Bild in dem kleineren sRGB-Farbraum editiert. Das Gegenargument dazu: wenn mir ein großer Farbraum zur Verfügung steht, dann sollte man ihn auch ausnutzen, selbst wenn man die Darstellung nicht sieht; man weiß ja nicht, was in Zukunft noch für Geräte auf den Markt kommen und das finale Bild in einem kleiner Farbraum abzuspeichern ist ja kein Problem. Ich persönlich bearbeite meine Bilder immer im Adobe RGB Farbraum; schließlich habe ich auch einen Monitor, der diesen Farbraum fast gänzlich abbilden kann. Außerdem möchte ich das vorhande Farbspektrum nicht verschwenden. Dennoch exportiere ich die Bilder fast ausschließlich als JPEG in sRGB, damit ich sie online und auf meinen mobilen Geräten nutzen kann und so gewährleiste, dass der Großteil zumindest ansatzweise ein ähnliches Ergebnis sieht.

Zusammenfassung

Farbmanagement ist ein komplexes Thema. Neben der benötigten Hardware muss man den theoretischen Hintergrund und den Umgang mit Software verstehen. Kein Wunder, dass viele davor zurückschrecken. Dabei gibt es neben dem additiven Farbsystem RGB noch das subtraktive CMYK, die Druckfarben, auf die ich nur kurz eingegangen bin. Dabei hat jeder Drucker, selbst jedes Papier seinen eigenen Farbraum. Die ausgedruckten Bilder müssen dann auch noch unter Normlicht betrachtet werden, um überhaupt relevant bewertet werden zu können. Die Hauptsache und der eigentliche Zweck dieses Beitrages ist aber, dass man versteht, warum Farben auf unterschiedlichen Geräten anders aussehen. Dass ein guter Monitor sein Geld wert ist, aber nur mit einer Kalibrierung sinnvoll ist. Sollten noch Fragen offen sein, gerne als Kommentar.

 


Kommentare (3)

  1. Olivier

    was hälst du vom eci rgb? ich habe meine bilder schon von verschiedenen bildbearbeitern in diesem profil zurück bekommen… ich persönlich arbeite normalerweise auch im adobe rgb.

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